
Ängste überwinden - Vertrauen stärken
Was wäre, wenn deine Angst gar nicht dein Feind ist?
Und was könnte sich verändern, wenn du aufhörst, gegen sie anzukämpfen und beginnst, ihr zuzuhören?
Angst gehört zu unserem Leben. Sie macht uns eng, lässt uns zweifeln und kann manchmal sehr unangenehm sein.
Doch sie erfüllt auch eine wichtige Aufgabe:
Sie möchte uns schützen.
Angst ist nicht unser Feind
Stell dir vor, vor einigen hundert Jahren wäre plötzlich ein hungriger Löwe vor dir gestanden.
Es wäre ziemlich ungünstig gewesen, vollkommen entspannt stehen zu bleiben.
Angst mobilisiert Energie. Unser Körper bereitet sich innerhalb kürzester Zeit darauf vor, zu kämpfen oder zu flüchten.
Heute begegnen uns eher selten hungrige Löwen. Unser Alarmsystem existiert trotzdem noch.
Ein schwieriges Gespräch steht bevor. Eine Veränderung kündigt sich an. Wir wissen nicht, wie etwas ausgehen wird.
Plötzlich entstehen vielleicht Unruhe, Nervosität, Enge oder Herzklopfen.
Das sind zunächst ganz normale Reaktionen unseres Körpers.
Wenn wir gegen die Angst kämpfen
Schwierig wird es häufig, wenn wir die Angst spüren und sie unbedingt weghaben wollen.
Warum habe ich jetzt Angst?
Was, wenn es noch schlimmer wird?
Hoffentlich geht dieses Gefühl schnell wieder weg.
Unser Kopf beginnt zu analysieren und mögliche Zukunftsszenarien zu entwerfen. Der Körper reagiert darauf mit weiteren Emotionen – und unser Kopf interpretiert diese erneut.
Ein Kreislauf aus Gedanken und Gefühlen entsteht.
Für mich gibt es dazu einen wichtigen Merksatz:
Widerstand sorgt dafür, dass etwas bleibt.
Denn je stärker wir gegen unsere Angst kämpfen, desto mehr Aufmerksamkeit bekommt sie.
Die Angst an die Hand nehmen
Der Weg kann deshalb über einen anderen Umgang mit der Angst führen.
Nicht bekämpfen.
Sondern wahrnehmen, fühlen und zuhören.
Ich nenne das gerne bezeugendes Fühlen.
Ah, da ist gerade Angst in mir.
Dann bleibe ich für einen Moment bei dem, was tatsächlich in meinem Körper geschieht.
Vielleicht spüre ich Enge. Wärme. Ein Kribbeln. Einen schnelleren Herzschlag.
Ich muss dieses Gefühl nicht sofort verändern.
Die Angst ist ein Teil von mir, der gerade versucht, seine Aufgabe zu erfüllen und mich zu schützen.
Deshalb gefällt mir dieses Bild besonders:
Nimm deine Angst an die Hand – aber lass sie nicht dein Leben führen.
Was passiert gerade wirklich?
Eine Frage hilft mir dabei besonders:
Was passiert jetzt gerade wirklich?
Denn ein großer Teil unserer Angst lebt nicht im gegenwärtigen Moment, sondern in unserer Vorstellung davon, was gleich, morgen oder irgendwann passieren könnte.
Als Denkmodell können wir drei Ebenen unterscheiden:
Erfahrung – tatsächliches Empfinden – Fantasie
Unsere bisherigen Erfahrungen beeinflussen, wie wir eine Situation einschätzen.
Dann gibt es das, was wir tatsächlich im Körper wahrnehmen: vielleicht Enge, Hitze oder einen erhöhten Puls.
Und schließlich gibt es unsere Fantasie:
Was könnte passieren? Was, wenn es schiefgeht? Was, wenn ich etwas verliere?
Diese Vorstellungen können sich unglaublich real anfühlen.
Trotzdem sind sie in diesem Moment Vorstellungen.
Je besser wir diese Ebenen unterscheiden können, desto bewusster können wir unserer Angst begegnen.
Vertrauen bedeutet nicht, keine Angst zu haben
Was unterscheidet einen mutigen von einem ängstlichen Menschen?
Beide können dieselbe Angst spüren.
Der mutige Mensch handelt trotzdem.
Dabei müssen wir uns nicht sofort ins kalte Wasser werfen.
Vertrauen kann Schritt für Schritt wachsen – mit der Angst an unserer Seite und einem Gefühl von Sicherheit als Boden.
So machen wir eine wichtige Erfahrung:
Ich kann Angst fühlen und trotzdem handeln.
Daraus entsteht Selbstwirksamkeit. Wir erleben, dass wir gestalten, verändern und unseren nächsten Schritt gehen können.
Und mit jeder solchen Erfahrung kann das Vertrauen in uns selbst wachsen.
Nicht jeder Gedanke ist die Wahrheit
Unser Verstand ist eine unglaubliche Denkfabrik.
Doch nur weil ein Gedanke auftaucht, bedeutet das nicht, dass wir ihm glauben müssen.
Mir gefallen dafür drei einfache Fragen:
Wahrheit: Ist dieser Gedanke wirklich wahr?
Güte: Ist er von einer wohlwollenden Haltung getragen?
Nützlichkeit: Ist dieser Gedanke gerade hilfreich?
Von manchem Gedankenmüll bleibt erstaunlich wenig übrig, wenn wir ihn durch diese drei Siebe laufen lassen.
Impuls
Wir wünschen uns häufig Sicherheit, bevor wir einen Schritt wagen.
Doch das Leben gibt uns für vieles keine Garantie.
Vertrauen bedeutet für mich deshalb nicht, zu wissen, was morgen passieren wird.
Es bedeutet, meiner Angst zuzuhören, ohne ihr die Führung zu überlassen.
Mich immer wieder zu fragen:
Was passiert jetzt gerade wirklich?
Und dann den nächsten Schritt zu gehen, auch wenn ich noch nicht weiß, wohin der gesamte Weg führt.
Merksatz:
Nimm deine Angst an die Hand – aber lass sie nicht dein Leben führen.